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Mittwoch, 30. April 2014

Erste Erkundungen und Begegnungen

So war ich heute also das erste mal in diesem meinem neuen Leben, mit diesem meinem neuen fahrbaren Untersatz unterwegs, um diese meine meine Umgebung zu erkunden, die mir einerseits sehr vertraut, und dann doch wieder recht fremd erscheint. Wie ich bereits erwähnte, habe ich den Eindruck, dass sich mein Wirkungsradius immer wieder auf die ungefähre selbe Gegend erstreckt. Vermutlich lerne ich nicht wie durch ein Wunder neue Sprachen oder Dialekte, oder kenne mich in mir bis dahin im Grunde fremden Gefilden aus. Wiewohl, "Wunder" würden mich in keinster Weise mehr überraschen. Dennoch, so scheint mir, sind bei aller Wundersamkeit meines Daseins dem Ganzen Grenzen gesteckt.

Wie auch immer, ich genoss es Vormittags durch die Landschaft zu fahren, verbrachte ein Stündchen bei Kaffee und Kuchen und aß zu Mittag ein Häppchen in einem weiteren kleinen Café. Dies alles tat ich nicht nur aus reinem Müßiggang heraus, nein, ich spürte ja bereits, dass es mich aufgrund meiner Aufgabe in eine bestimmte Richtung zog. Doch ganz so einfach ist es nun leider doch nicht, denn obwohl ich dieses Ziehen spüren kann, auch wenn es manchmal eher ein Drücken ist, so muss ich mich immer noch sehr stark darauf konzentrieren. Und wenn ich mich zu weit weg von all jenen "wichtigen Personen" befinde, dann verschwindet es ganz.

Ich versuchte also ein Gespür dafür zu bekommen. Und während ich so in diesem kleinen Café saß, begrüßte mich auf einmal eine mir natürlich völlig unbekannte Person sehr überschwänglich. Es handelte sich um einen saloppen jungen Herrn der mich "Matthias" nannte und mir etwas von irgendeinem Seminar erzählte, das ich zusammen mit ihm vor Jahren besucht haben sollte.

Das wunderte mich natürlich sehr, denn soweit mein Wissen reicht, ist meine Erscheinung immer einzigartig, noch nie wurde ich mit jemandem verwechselt. Auch wenn ich mich aufgrund meiner sehr schnell schwindenden Erinnerung nicht vollkommen darauf verlassen kann, so hab ich in mir doch das Gefühl, als wäre auch dies eine jener Konstanten. Natürlich kann man nicht ausschließen, dass sich jener junge Herr schlicht und einfach geirrt hatte. Ich klärte ihn selbstverständlich diesbezüglich auf, doch er bestand auch weiterhin darauf, dass ich jener Mensch sei, für den er mich so nachdrücklich halten wollte, denn er wies auf einen kleinen, aber markanten Leberfleck an meinem Hals hin, den er wiederzuerkennen glaubte, ich jedoch selbst noch nicht kannte, für mich ist Dieser Körper ja völlig neu. Ich bestand dennoch darauf, dass ich nicht jener sei für den er mich hielt, denn schließlich weiß ich es ja besser und verabschiedete mich höflich von ihm, da ich meine Zeche bereits gezahlt hatte und einfach davon spazieren konnte.

Um etwas Ruhe zu finden, stellte ich meinen Wagen an einem Parkplatz in einem Wald ab und begann darüber nachzusinnen was diese Begegnung wohl zu bedeuten habe. Wäre es denn möglich, dass es für das Äußere Erscheinungsbild der UNAA sehr wohl reale Vorbilder gäbe? Übernehmen wir gar Leib und Leben existierender Personen und mir ist das bisher noch nie aufgefallen?

Während ich so darüber nachdachte, nickte ich in meinem Wagen ein. Eine Wiedergeburt macht nicht nur sehr hungrig, sondern in den ersten Tagen auch recht schläfrig. Ich neige dazu dies immer wieder zu ignorieren oder völlig zu vergessen, da ich immer sehr neugierig auf meinen neuen Wirkungskreis bin. Also verbrachte ich fast den ganzen Nachmittag schlafend im Wagen auf diesem Waldparkplatz. Da es regnete und die Regentropfen auf dem Blechdach des Wagens im Inneren zu hören waren, trug diese Geräuschkulisse wohl zu meiner Schläfrigkeit bei.

Abends ging ich dann wieder ein - dieses mal größeres - Häppchen essen, in diesem Fall wählte ich ein chinesisches Restaurant, die chinesische Küche zählt nämlich zu meinen höchst persönlichen Vorlieben. Da sich in der Nähe ein Kino befand, sah ich mir einen Film an, besuchte danach auch noch eine Bar und dachte während all dieser Tätigkeiten immer wieder an dieses seltsame Treffen zu Mittag nach. Darüber vergaß ich völlig mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren. Erst als eine Gruppe Menschen das Lokal, bzw. die Bar verlassend an mir vorüber ging, spürte ich eine klare Präsenz, die mich wieder daran erinnerte.

Einer jener "wichtigen Menschen", wie ich sie der Einfachheit halber nenne, war zusammen mit mir in dieser Bar gewesen und gerade an mir vorüber gegangen - und ich hatte ob meiner Grübelei verabsäumt diese Gelegenheit für ein erstes vorsichtiges Annähern wahrzunehmen!

Dienstag, 29. April 2014

29.04.2014 - Prolog und Aufbruch

Ich kann Ihnen nicht viel über mich erzählen, denn ich weiß selbst nicht viel über mich. Ich betrat diese Welt erst vor einigen Stunden, jedoch nicht zum ersten mal, darum verfüge ich auch über eine Vorgeschichte. Aber ich versuche es für Sie nicht zu verwirrend zu gestalten, für mich ist meine Situation ja der Normalzustand, ich bin es nicht anders gewohnt, wiewohl ich nicht weiß wie lange schon.

Ich bin ein "UNAA", diese Buchstabenreihe steht für "Unum Ad Alterum". Dies ist Lateinisch und bedeutet so viel wie "Einer für den Anderen". Ich trete für andere ein, genauer gesagt sterbe ich für sie. Nun, nicht "für sie", sondern an ihrer Stelle, ich gebe mein Leben, damit andere wiederum ihr Leben weiterführen können. Ich tue dies nicht freiwillig, wiewohl ich vermutlich irgendwann einmal vor langer Zeit dieser Konstellation zugestimmt haben muss.

Ja, dieses Erinnern ist so eine vermaledeite Sache. Wenn ich an eines anderen statt verstorben bin, dann betrete ich bald darauf die Welt von neuem. Dies weiß ich. Ich weiß auch, dass ich mir niemals und unter keinerlei Umständen aussuchen kann an wessen Stelle ich dahinscheiden werde. Dies ist bereits zum Zeitpunkt meines neuerlichen Erscheinens festgelegt, wahrscheinlich sogar lange Zeit davor. Weiters weiß ich, dass ich mir nicht gewahr bin an wessen Stelle ich eintreten werde, doch ebenso ist mir gewiss, dass sich unsere Wege zur gegebenen Zeit kreuzen werden. Mir ist es jedoch nicht vergönnt zu wissen, oder auch nur zu ahnen wann ich vonnöten sein werde.

Wenn ich jemandes Weg betrete, dann spüre ich es, es ist eine Art angenehme Wärme und die Person scheint ein wenig von innen heraus zu leuchten. Dies heißt jedoch nicht, dass es sich um die betreffende Person handeln muss, es könnte auch nur ein ihr nahestehender Mensch sein, oder jemand durch den ich den Kontakt zu ihr herstellen kann, bzw. herstellen werde. 

Aber genug hiervon. Ich sprach vorhin von meiner Erinnerung. Mit dieser ist es nämlich ziemlich verflixt. So wie es Dinge gibt, die ich mit Sicherheit weiß, die unabänderlich sind und somit eine Konstante in all meinem tun, so gibt es auch Dinge die ich im Laufe der Zeit vergesse. Dies sind vor allem jene Dinge, die mich persönlich betreffen. So kenne ich weder meinen Namen, noch wie lange ich schon als UNAA durch die Welt wandle. Ich weiß nicht wie es dazu kam, weiß jedoch tief in mir drin, dass es damit seine Richtigkeit hat, dass ich diesen Weg anstatt eines sehr viel schlimmeren gewählt habe.

Ich vergesse auch für wen ich eintrat. Nicht sofort, an die letzten zwei oder drei kann ich mich sehr wohl erinnern, darüber hinaus wird es jedoch sehr schwierig bis unmöglich. Die Vergangenen Stellvertretungen verblassen einfach nach und nach. Zuletzt stand ich für eine junge Frau ein und starb an ihrer statt bei einem Verkehrsunfall. Davor war es ein Mann in den Fünfzigern, dem beim Wandern der Schlag treffen hätte sollen. Fragen Sie mich bitte nicht, wie ich es anstelle, dass es mich anstatt den eigentlichen Personen trifft. Manchmal ist es wirklich nicht so einfach die richtigen Vorkehrungen zu treffen. Die junge Frau musste ich zum Beispiel nur zum richtigen Zeitpunkt auf der Autobahn überholen. Für den älteren Herrn war es nötig eine Lebensmittelvergiftung herbeizuführen. Wie es dann schlussendlich dazu kommt, dass sich Gevatter Tod mit mir, anstatt den ursprünglich vorgesehenen Personen zufrieden gibt, erzähle ich ihnen an anderer Stelle.

Warum diese Menschen weiterleben müssen, denn dass sie es müssen ist so sicher wie das obligatorische Amen in der Kirche, sonst wären meine Dienste nicht vonnöten, darüber weiß ich in der Regel ebenso wenig, wie über mich selbst. Da ich nach und nach vergesse für wen ich aller eintrat, kann ich deren Geschichten auch nicht über längere zeit weiterverfolgen.

Mein Dasein hat für mich sowohl Vorteile, als auch Nachteile. Ein großer Vorteil ist, dass ich mir nie Sorgen um finanzielle Angelegenheiten machen muss. Ich wache in einer Wohnung auf, in einem Hotel, einer Pension, oder an einem sonstigen Ort, der mir ein Dach über den Kopf sichert. Wohnungen sind voll möbliert, Kleidung und Dinge des täglichen Lebens sind bereits vorhanden. Da ich nach wie vor ein Mensch mit menschlichen Bedürfnissen bin, ich also für Mahlzeiten, Getränke und derlei Dinge sorgen muss, wird auch dafür gesorgt. Entweder verfüge ich über ein Bankkonto, oder ich habe genügend Bargeld, oder es wird auf andere Art und Weise dafür gesorgt. In den letzten drei Fällen hatte ich, wie jeder andere Mensch auch, einfach ein Konto inklusive Kreditkarte. Ich weiß, dass immer genügend Geld auf dem Konto vorhanden sein wird, egal wofür ich es benötige, bzw. wie viel ich benötige. Ich weiß jedoch auch, dass ich nicht unnötig prassen und meinen Gelüsten freien Lauf lassen kann. Der Kauf einer Insel samt Luxusyacht, oder ähnliche Sperenzchen, steht nicht zur Debatte. Ich weiß dies deshalb, weil ich es offenbar irgendwann bereits einmal probiert habe. Ich weiß zwar nicht mehr wann und warum, aber offenbar hielt jene Macht, die mich für all dies hier auserkoren (oder damit gestraft) hat, dieses Ereignis für wichtig genug, um mir die Erinnerung daran, bzw. die Erinnerung an die Warnung vor einer Wiederholung zu belassen. Ich verfüge also über bescheidene, aber ausreichende Mittel. Im Grunde genügt das auch vollkommen.

Ein sehr großer Nachteil ist, dass ich keine dauerhaften Bindungen eingehen kann. Mir ist ja nicht vergönnt zu wissen wie lange ich noch sein werde. Selbst wenn ich mich noch eine Weile an vorhergehende Episoden erinnern kann, so erscheine ich doch jedes mal in neuer Gestalt, also würde mich auch niemand aus einem vorherigen Leben wiedererkennen. Mein letzter Auftrag dauerte nur 10 Tage, jener davor jedoch zweieinhalb Jahre. Ich kann mich zwar nicht an die Dauer weiterer Episoden erinnern, weiß jedoch, dass es durchaus vorkommen kann, dass ich mehrere Jahre mit einem Fall beschäftigt bin. Dies ist offenbar auch eine jener festgeschriebenen Konstanten über die ich mir gewahr sein darf.

Eine weitere Konstante ist die Wandlung meines Ichs in Gestalt, Alter und auch in Geschlecht - sofern die Gewissheit, dass etwas eben nicht gewiss ist, als Konstante bezeichnet werden darf. Dennoch gibt es eine natürlich Untergrenze das Alter betreffend, denn ich muss ja als selbständiger und mündiger Bürger in Erscheinung treten können, dies ist mir als Jugendlicher oder gar Kind nicht möglich. Auch nach oben sind dem Alter Grenzen gesetzt, denn ich muss auch agil genug sein um meinen Auftrag ausführen zu können. Obwohl ich mich aufgrund meiner letzten Episoden nur daran erinnern kann männlich gewesen zu sein, weiß ich, dass es auch vorkommen kann, dass ich als Frau in Erscheinung trete. Mir ist es einerlei, da ich keinerlei Erinnerung an mein wahres Selbst besitze, hege ich auch keinerlei Präferenzen bezüglich des Geschlechts.

Aufgrund meiner letzten Aufträge nehme ich an, dass ich im Großen und Ganzen immer in einem bestimmten Gebiet eingesetzt werde. Und ja, ich muss davon ausgehen, dass dies von jemandem oder von etwas gelenkt wird. Eine weitere Gewissheit besteht außerdem darin, dass ich nicht der einzige UNAA auf dieser Welt bin. Zwar begegnete mir bis dato noch keine solcher, zumindest nicht wissentlich, bzw. habe ich es womöglich wieder vergessen, dennoch weiß ich es, so wie ich eben auch all die anderen Dinge weiß.

So sehr sich auch meine äußere Erscheinung von einem Leben zum nächsten ändern mag, meine Vorlieben sind dennoch relativ beständig, obwohl ich auch hier nur diese gewisse kurze Zeit für die mir die Erinnerung bleibt überschauen kann. Ich liebe die selben Speisen und Getränke, die selbe Musik und andere Künste, vermutlich lese ich sogar das selbe Buch alle Jahre wieder nachdem ich vergessen habe, dass ich es bereits gelesen hatte. Ob ich jedoch als Frau auch weiterhin Frauen anziehend finde, ist mir derzeit nicht erinnerlich. Dies wird zu beobachten sein. Wie ich bereits schrieb bin ich immer noch Mensch, mit all seinen Bedürfnissen.

Und damit wären wir auch beim Thema des Anlasses für diese Zeilen, ja für dieses ganze Unterfangen:

Ich möchte mich erinnern! Ich möchte mich zumindest eine längere Zeit als nur ein paar Fälle, bzw. nur ein paar Jahre in die Vergangenheit zurück erinnern können. ich möchte es nicht ewig so halten, aber ich möchte, nein ich MUSS einfach versuchen zumindest ein Weilchen über meine Grenzen hinaussehen zu können. Also suchte ich nach einer Möglichkeit meine Erinnerungen zu konservieren. Da ich mit jedem neuen Leben auch sämtliche Dinge des alten Lebens verliere, verbieten sich sämtliche physischen Möglichkeiten. Jedes Buch das ich schreibe wäre verloren, jede Aufnahme die ich machen würde wäre dahin, ich könnte diese Dinge auch nicht zur späteren Abholung in einem Bankschließfach lagern, da ich ja meiner Identität verlustig ginge.

Zwei Dinge bleiben mir jedoch: zum einen meine Erinnerung - zumindest lange genug um mich daran zu erinnern, dass ich dies hier schreibe, zum anderen der Virtuelle Raum. Alles was ich benötige ist einerseits ein Zugang zum Internet und andererseits die Erinnerung an diesen Zugang. Somit dürfte es für mich nun dauerhaft möglich sein, meine Erinnerungen hier zu konservieren. Es wird in Zukunft völlig einerlei sein wie oft ich nun mein leben wechseln muss, hieran werde ich mich immer lange genug erinnern um diese Aufzeichnungen weiterführen zu können.

Ich möchte Ihnen nun kurz etwas über meine gegenwärtige Situation erzählen, ich nehme an, dass der Leser doch ein wenig neugierig sein wird (so wie ich auch annehme, dass diese Zeilen auch tatsächlich den einen oder anderen Leser finden werden).

Ich bin derzeit männlich, habe laut meinem Reisepass (der ebenfalls immer zusammen mit Wohnung, Kleidung und all den bereits erwähnten anderen Dingen im "Willkommenspaket" enthalten ist) ein Alter von 38 Jahren, ich bin mit gerade mal 172cm nicht sonderlich groß, habe laut meinem Badezimmerspiegel kurze braune Haare und braune Augen, sehe ansonsten vollkommen durchschnittlich aus, verfüge offenbar über eine kleine Wohnung in einer kleinen Ortschaft inmitten der Alpen, laut Schlüsselbund habe ich sogar ein KFZ, wie man bereits ahnen kann besitze ich sogar einen PC samt Internetzugang, denn sonst wäre es mir nicht möglich gewesen diese Zeilen hier zu hinterlassen und ich bin hungrig wie ein Wolf. Das wiedergeboren werden macht mich immer sehr hungrig. Ja, auch dies ist eine der immer wiederkehrenden Konstanten.

Da ich bereits entdecken durfte, dass mein Kühlschrank veritabel befüllt wurde, werde ich mir nun ein fulminantes Frühstück bereiten, danach begebe ich mich auf die Suche nach dem zum Schlüssel passenden KFZ um mich auf die Suche nach ersten Anzeichen meiner neuen Aufgabe zu machen. Auch auf diese Konstante kann ich mich verlassen, wie ich weiß. Es wird mich in die richtige Richtung ziehen, wiewohl es durchaus auch Tage, Wochen, ja Monate dauern kann, bis ich tatsächlich das erste mal auf die ersten wichtigen Personen treffe. Dennoch verspüre ich diesen "Zug" in eine bestimmte Richtung, eine bestimmte Gegend, zu einem bestimmten Gebäude, zu diesen Menschen hin.

Nun, dann werde ich ziehen, bzw. mich dann in weiterer Folge ziehen lassen. Zunächst einmal zum Frühstückstisch, doch dann bin ich gespannt wohin und zu wem mich die Reise führen wird.